Conbini Princess
(Teil 1) Design Festa #41 und was wir deutschen Zeichner noch so lernen können
Posted Montag, 17. August 2015 // 06:03


Das Design Festa in Tokyo ist eines der Events, welches ich mir schon seit langer Zeit ansehen wollte. Designer, Künstler, Illustratoren, Bastler, Fotografen, Tänzer etc aus ganz Japan kommen zusammen und zeigen was sie können. 
Nachdem ich letzten Herbst mein Design-Studium abgeschlossen habe, wollte ich meine Zeit hier in Tokyo natürlich dafür nutzen um Inspiration und Motivation zu suchen. Wo sollte es einen besseren Boost als dort geben? Wie sehen die Stände aus? Was wird verkauft? Wie gut sind die Kollegen und Kolleginnen? Welche Qualität haben die angebotenen Stücke? Und das wichtigste: Bitte lass die Schlangen vor den Frauentoiletten nicht so lang sein... 

(Btw: Entgegen vieler englisch sprachiger Websites darf man sehr wohl Fotos auf dem Design Festa machen. Es gilt hier ganz normal: Wer FRAGT, der darf.)


Das Kongresszentrum "Tokyo Big Sight" ist einigen von euch vielleicht aus diversen Animes bekannt (HUSTDigimonMovieHUST) und ich war aufgeregt wie ein kleines Kind, einmal in dieses berühmte Gebäude gehen zu dürfen (obwohl da echt nicht viel bei ist X, D;;;... ist halt ein Messe-Zentrum. Derp.)

In meinem jugendlichen Übermut habe ich mich dann auch gleich wie die Königin des Universums gefühlt (Tse. Ich wohne doch jetzt in Tokyo. Da kennt sich die Frau von Welt aus! Da weiß ich doch, wo ich besser aussteigen sollte! Die ÜBERALL angegebene Station? PAH! Ich steig eine früher aus! Wer hat hier den Durchblick, naaaaaaa?)!

Zack- war ich so weit vom Big Sight weg dass ich es nicht einmal sehen konnte. Und das will was heißen bei dem Klops in der Landschaft... ich hatte in meiner Aufregung "Tokyo Teleport" (die Station, bei der ich falsch ausgestiegen bin) für das Big Sight gehalten... 

(Zur Info: Die unterscheiden sich KOMPLETT. Sowohl von Lage als auch Aussehen...  bitte googelt nicht. Dann lest ihr meinen Blog nie wieder. I'm stupid.)


Nachdem ich halb Odaiba (in einer Affenhitze) durchquert hatte und herausfand, dass Sonntags hier Unmengen an japanischen Cosplayern shooten und viele Rock 'n' Roll/Yankee Bands (JoJo lässt grüßen!) Straßenmusik machen, fand ich es dann doch noch. Mein Umweg hatte mir zumindest die Erkenntnis gebracht, dass sich ein Sonntag auf Odaiba auch außerhalb der Touristenmeile lohnt.


In 2 riesigen Hallen auf 2 Etagen tummelte sich das kreative Volk und selbst hier in der Eingangshalle gab es Verkaufsstände und Live-Painting! 


Die "Artbooks" waren im Gegensatz zu unseren Indie-Artbooks sehr dünn und sehr günstig. Echt schade. Insgesamt hat sich fast jeder Künstler sehr weit unter Wert verkauft. Für dieses Artbook hier auf dem Foto habe ich umgerechnet 3,80 Euro bezahlt... das war definitiv mehr wert. Die Illustrationen sind wunderschön und all die Arbeit, die darin steckt sollte man mehr/höher honorieren. 
Klar sagen diese Künstler sich wie wir hier auch: Besser billig als gar nichts verkaufen. Aber die Preise hier waren wirklich SEHR untertrieben... (mehr dazu in Teil 2 des Design Festa Postings)


Es gab eine Performance-Halle, in der auch Künstler ihre Stände aufbauten, die sich eher mit dem Thema Licht beschäftigten oder direkt digital am Tablet gezeichnet haben. Irgendwie war jeder exakt dort, wo er hingehörte. Die Organisation schien mir sehr, sehr gut in dieser Hinsicht.




Ihr seht, dass die Preise sich hier den deutschen Con-Preisen für Merchandising oder DIY-stuff ähneln (100 Yen = ca 72 Cent), aber das galt nur für die Bastler. Ich hatte das Gefühl, dass diese als einzige wirklich ihre Sachen zu dem Preis verkauft haben, den sie wollten und der er wirklich wert war. Man hat in der Liebe zum Detail gesehen, wie wertvoll jedes einzelne Stück den Künstlern war. 

Standwände von Ständen, die bereits ausverkauft waren wurden kurzerhand als Leinwand benutzt und angemalt! Mit... Dingen... die... mich oft ratlos zurück ließen. 

(Egal wie lange ich in dieser Branche arbeiten werde, manche Dinge werden ein ewig Rätsel sein... einfach anschauen und genießen!) 


Zwischendrin gab es ein paar DIY-Foodwagen mit super coolen neuen Ideen. Dieser Wagen hatte das Designs eines Chemie-Labors gepaart mit einer Hipster Kneipe. Und DJ.


Nachdem ich so viel Live-Painting gesehen habe, wollte ich auch unbedingt wieder den Pinsel schwingen... Leinwand + Acryl/ Gouache sind ein wirklich geiles Medium und live zu sehen, wie locker und leicht die Künstler ihren Pinsel schwingen war einfach nur schön. Ich weiß nicht, wie viele von euch das so nachvollziehen können, aber für mich ist es wirklich eine Wohltat wenn ich sehe wie ein Bild entsteht. Wenn man dem Pinsel folgt, die Bewegung der Hand sieht und sich denkt: "Weiß sie, was sie da tut?", weil alles viiiieeeel zu easy scheint... aber nach jedem Pinselstrich fiebert man praktisch weiter mit. Unterbrecht mich, wenn ich zu viel rede. 

Hust.



Fast alle Stände sahen eher wie gemütliche Wohnzimmer aus statt wie Verkaufsstände. Was die Präsentation angeht müssen wir deutschen Zeichner uns nicht verstecken, können uns aber noch viiieeeele schöne Dinge abgucken. Platz nach oben ist immer und ich werde nächstes Jahr in Deutschland auf jeden Fall versuchen, ganz viel von der Inspiration hier mit in meine Stände einfließen zu lassen. 



Postkarten für umgerechnet 72 cent... 










Auf dem Design Festa gab es im Grunde das selbe zu kaufen wie auf "unseren" Conventions. Buttons und Postkarten sind wohl hier der Renner, Artbooks und Poster laufen eher mau. Ich denke, deswegen wurden die Artbooks hier sehr günstig angeboten... das klingt alles nach Beschwerde, aber ich als Besucher freue mich natürlich über günstige Preise. Kann ich nicht leugnen. 
Als Designer und Illustrator sehe ich das natürlich alles etwas anders.

Ich mochte die Atmosphäre, die dort vorherrschte. Es war wie ein riesiges Hippie-Treffen. Überall war Kunst zu sehen, Fotografien, Illustrationen, DIY Schmuck usw. und jeder war in seinem Element und manche waren in Gedanken ganz weit weg. Schön. Diese Freiheit, auch im Bezug auf das Schaffen (Live Painting auf riesigen Leinwänden) würde ich mir für deutsche Conventions auch wünschen. Das unterhält die Leute wirklich mehr als man denken mag. 

Ich war da, um in erster Linie Inspiration zu finden, neue Stile und Techniken zu sehen und einfach mal einen groben Überblick über die Künstler-und Designerszene Japans zu bekommen. Ich bin mit einem fast platzenden Kopf zurück nach Hause gefahren und wusste vor lauter Ideen und Inspiration nicht wohin mit mir. Jeder, der die Chance hat, sollte sich hier umschauen. Allerdings braucht man keine zwei Tage. Ich war Sonntags erst gegen Mittag da und habe fast alles gesehen und "nebenbei" noch Fotos geschossen und mich mit den Leuten dort unterhalten. Wer es richtig entspannt will, der sollte natürlich alle Tage nutzen. 

Teil 2 des Postings folgt am Freitag! 

Labels: , , , , , , , ,

1 Kommentare:
Anonymous Laura D meinte...

Wow, das sieht klasse aus dort *___* Allein die Fotos inspirieren und ich kann voll und ganz verstehen, warum man einmal dort gewesen sein muss. Livepainting fänd ich wirklich auch mal interessant; sowas gibts auf der connichi ja immer, aber nur 1 großes Bild und die Künstlerin kommt extra aus Japan oder so. Für uns Zeichner wär das mal nice!!
Und schön dass du mal die Stände an sich ausgelotet hast - sowas find ich immer mega interessant zu wissen *_*
Aber zu den günstigen Preisen: "besser günstig als nichts verkaufen" - ich denk mal es liegt einfach auch am extremen Überangebot, oder?

Freue mich schon auf Teil 2 und hoffe auf regelmäßige Postings ;D ♡

17. August 2015 um 16:13  


Kommentar veröffentlichen

... Back to the blog?